Bobath-Konzept - Methoden, Nutzen und Ziele des Bobath-Konzeptes
Was ist das Bobath-Konzept?
Unter dem Bobath-Konzept ist ein Pflege- und Therapiekonzept zu verstehen, welches
weltweit in vielen pflegerischen Bereichen angewendet wird. Es kommt immer dann
zum Einsatz, wenn es darum geht, Menschen mit einer Erkrankung des Zentralen
Nervensystems zu therapieren, wenn sie unter Bewegungsstörungen, Spastik
und Lähmungserscheinungen leiden.
Angestrebt wird dabei in erster Linie, dass der Patient einen Lernprozess durchläuft,
der ihm die Kontrolle über seine Muskulatur und seine Bewegungen wiedergibt.
Muskeltonus und die physiologischen Bewegungsabläufe werden reguliert.
Methoden des Bobath-Konzeptes
Als Methoden werden in dem Zusammenhang alle Lernprozesse gesehen. Der Patient
wird individuell untersucht und anhand seines Befundes und seiner Ressourcen
wird ein Lernangebot auf ihn zugeschnitten. Zur Vermeidung und Hemmung der Spastik
gibt es zum Beispiel Lernangebote zur Lagerung, es gibt Angebote für das
Selbsthilfetraining und für die Bewegungsanbahnung. Dabei wird nicht mit
immer gleichen Übungen gearbeitet, sondern das Bobath-Konzept setzt auf
vielfältige Übungen.
Die Therapie bei hirngeschädigten Menschen muss so früh wie möglich
beginnen, damit die negativen Auswirkungen rechtzeitig kontrolliert werden können.
Das Bobath-Konzept wird als Bereicherung gesehen, denn es ermöglicht eine
selbstbestimmte Pflege und Therapie, welche unabhängig vom Arzt ist. Außerdem
können im Krankenhaus bei Anwendung dieses Konzeptes die einzelnen Berufsgruppen
besser zusammenarbeiten.
Welchen Patienten nutzt das Bobath-Konzept?
Typisch für Anwendungen im Sinne des Bobath-Konzepts sind alle Krankheitsbilder,
bei denen Lähmungen auftreten. Am häufigsten wird das Konzept beim
Schlaganfall angewendet, wenn dieser mit einer halbseitigen Lähmung einhergeht.
Gerade in den letzten Jahren ist eine steigende Zahl von Patienten zu verzeichnen,
die durch einen Anfall aufgrund von Minderdurchblutung ins Krankenhaus kommen
und die akute Phase überleben. Die weitere Aussicht der Patienten auf eine
spätere Selbstständigkeit und Unabhängigkeit wird durch die Anwendung
des Bobath-Konzeptes verbessert.
Als Zielgruppen für das Bobath-Konzept gelten des Weiteren Menschen, die
Schädel-Hirn-Traumen erlitten haben, die unter Multipler Sklerose leiden
oder unter Entzündungen des Zentralen Nervensystems leiden. Das Bobath-Konzept
wird jeweils in der Pflege und schon bei der Versorgung auf der Intensivstation
eingesetzt. Auch in der Akutpflege, der Pflege in der Rehabilitation oder bei
der Langzeit- und Altenpflege findet das Konzept Anwendung. Der Mensch wird in
seinen individuellen Problemen unterstützt und erfährt eine persönliche
Therapie.
Ziele des Bobath-Konzeptes
Die einzelnen Ziele ergeben sich aus den jeweiligen Befunden der Patienten. Es
soll zum einen vermieden werden, dass eine Spastik auftritt oder wenn sie schon
aufgetreten ist, soll sie zumindest gehemmt werden. Der Muskeltonus soll also
wieder angepasst werden. Die Bewegung soll wieder normal und beidseitig möglich
werden, der Fehleinsatz einer gehemmten Seite soll vermieden werden. Der eigene
Körper soll wieder besser wahrgenommen werden, auch die Umwelt soll in ihren
Reizen normal wirken können. Die Motorik von Gesicht, Zunge, Mund und Schlund
wird verbessert und es wird angestrebt, dass diese völlig normalisiert wird.
In den Aktivitäten des täglichen Lebens soll der Patient dahingehend
unterstützt werden, dass er wieder selbstständig in der Lage ist, die
meisten Dinge des Alltags zu verrichten.
Nutzen für den Patienten
Unter Anwendung des Bobath-Konzeptes wird keine notdürftige Kompensation
eventueller Lähmungen angestrebt, sondern die Bewegungsfähigkeiten
sollen wieder erlernt werden. Der Patient muss dafür allerdings aktiv mitarbeiten,
ansonsten sind die Erfolgsaussichten weitaus geringer. Der Patient wird so wieder
selbstständiger in den normalen Aktivitäten seines alltäglichen
Lebens. Eine eventuelle Abhängigkeit von fremder Hilfe oder gar die Unterbringung
in einem Pflegeheim soll so vermieden werden. Wird die Bobath-Pflege schon frühzeitig
eingesetzt, so kann sie das Ausbilden von Spastiken und andere negative Auswirkungen
verhindern oder abmildern. In der weiteren Rehabilitation kann der Patient mit
besseren Aussichten auf Erfolg rechnen.
Nutzen für Pflege und Therapie
Die therapeutische Pflege wird unter Anwendung des Bobath-Konzepts ein fester
Bestandteil im Tagesablauf eines Patienten. Die Mitarbeiter und Ärzte
arbeiten zusammen und die Prinzipien des Bobath-Konzepts werden berufsübergreifend
aufgenommen. Die meiste Zeit verbringen die Pflegetherapeuten mit dem Patienten.
Die normale Krankenpflege wird damit zur Therapie.
Das Handling des Patienten und dessen Mobilisation werden für den Pflegenden
besonders rückenschonend – ein Problem, das sich im Pflegealltag nicht
gerade selten stellt. Der Umgang mit dem Patienten wird ökonomisch, denn
alle Tätigkeiten orientieren sich an der normalen Bewegung des Menschen.
Es wird ausschließlich unter Berücksichtigung von Hebel- und Zugkräften
gearbeitet. Gehoben wird ein Patient gar nicht.
Gibt es Grenzen für das Bobath-Konzept?
Ja, Grenzen gibt es durchaus. Der Erfolg der Therapie kann natürlich nicht
garantiert werden und ist von verschiedenen Faktoren abhängig zu machen.
Eine Erkrankung kann nicht rückgängig gemacht werden und eine Schädigung
des Hirns beeinflusst natürlich das Lernvermögen eines Menschen. Auch
die Motivation des Patienten spielt eine entscheidende Rolle. Hier kommen die
Angehörigen mit ins Spiel, die bei der Motivation durchaus mitwirken und
so helfen können.